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Caroline Winkelmann

Über meine Liebe zu schönen Orten - Haus Hirt in Bad Gastein...

winkelmanncaroline
vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 13 Stunden







Es gibt kaum etwas Schöneres für mich als die Energie eines neuen Ortes zu entdecken. Jeder Platz, jedes Hotel, jede Waldlichtung ist anders und macht etwas mit uns. Manchmal fühlen wir uns leichter, manchmal schwerer, oder schlicht inspiriert.


Schon seit Jahren will ich nach Bad Gastein reisen ins Haus Hirt. Dieses Hotel ist mir immer wieder quasi vor die Füsse gefallen, durch Freunde, Social Media oder ausgewählte Zeitungen und irgendwann merkte ich: Es ist Zeit, es sich anzugucken.


Es gibt selbstverständlich viele kleine, schöne Hotels in Österreich, aber ich habe einen besonderen Hang zu Orten, wo Dichter und Denker sich trafen, in Zeiten ohne Handy und so etwas wie literarische Salons noch existierten. Als ich klein war, träumte ich mich in diese Zeit zurück, in der die Tage noch lang waren und man sich langweilte und aus der Langeweile Grosses enstand (manchmal auch nichts...) Im Haus Hirt, das 1924 als privates Kurhaus erbaut wurde, trafen sich Anfang des 20. Jahrhunderts Schriftsteller wie Thomas Mann oder Stefan Zweig und auch Lady Churchill wird als Gast des Hauses erwähnt.





Auch heute atmet dieses Haus noch den Geist von damals. Die Salons wurden mit viel Sorgfalt nach dem Vorbild der Jahrhundertwende eingerichtet, überall begleiten einen Bücher, Kunst, die Blicke ins Tal und in die Berge sind atemberaubend. Und wie so oft, wenn ein Haus so sorgfältig geführt wird, spiegelt sich das auch in den Gästen wieder. In den Tagen, die ich dort war, habe ich nicht einmal erlebt, dass jemand unhöflich oder laut war. Es ist ein Traumort, um sich der Langsamkeit zu widmen, zu lesen, zu wandern und ziemlich gut zu essen. Es scheint fast als ob das Haus und die Menschen miteinander in Resonanz gehen. Wer dabei zuerst leiser und langsamer war, is unwichtig. Entscheidend ist, dass es sichtbar ist, wie zufrieden die Menschen hier aussehen; keine gehetzten Gesichter, niemand eilt von A nach B, selbst die Kinder scheinen ihre Eltern so lieber zu mögen. Weit und breit keine Ipads zur Ablenkung, stttdessen Gespräche, Gelächter, Geselligkeit.


Da ich alleine hierhergekommen bin, um Ruhe zu suchen, genoss ich meine Rolle als Beobachter und freier Mensch. Gleich an Tag 1 nahm ich mir eine Wanderung vor, die mir von unten im Tal lässig zu bewältigen vorkam. Ein enormer Steig über den Berg, der mir eine Freude verschaffte, wie sie ich sie zuletzt vor über 20 Jahren hatte. Ich hatte völlig vergessen, wie meditativ eine Bergwanderung ist. Der Aufstieg war so anstrengend, dass ich immer nur über den nächsten Stein, die nächste Kurve und die weitere Anhöhe nachdenken konnte. Irgendwann fand ich in einen Rythmus, der so schön war, dass ich ewig hätte weitermachen können. Und als ich schliesslich oben auf der Alm ankam, hatte ich Lust mich auf die Wiese zu legen und nie wieder aufzustehen vor Glück und Stolz. " Berge sind die schweigenden Lehrer " erzählte mir ein Gast dort und dieser Satz hallte noch lange in mir nach. Es steckt viel Wahrheit darin und wahrscheinlich für jeden eine andere, ich hatte an diesem Tag vieles verstanden, was ich lange nicht begriffen hatte.


Eine dieser Lehren war auch, dass ich zu viel Energie in den Aufstieg gesteckt hatte und mir den Rückweg über den Steig nicht mehr vorstellen konnte. Glücklicherweise traf ich auf die geführte Wandergruppe des Hotels, die mir einen anderen, leichter zu bewältigenden Weg zeigten und so sass ich an diesem Abend im Salon und schwelgte in Bildern und träumte von Muskelbalsam und Ibuprufen und strich heimlich meine Yogateilnahme vom Zettel an der Rezeption. Irgendwie hatte ich mir wohl doch zuviel vorgenommen. In den Folgetagen widmete ich mich Thomas Mann (sehr lesenswert: Florian Illies, "Wenn die Sonne untergeht, Familie Mann in Sanary" und den Yogastunden, leichten Wanderungen und kurzen Spaziergängen. So oder so habe ich mich selten besser erholt.








 
 
 

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