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Caroline Winkelmann

What a beautiful day today.... Über das Trauern und die Freude (geht das?)

winkelmanncaroline
vor 9 Stunden
2 Min. Lesezeit

Darf man lachen, wenn der Mann gerade gestorben ist? Darf man sich freuen, das Leben geniessen und kann man es überhaupt? 5 Jahre nach dem Tod meines Mannes würde ich sagen, ja es geht und es ist sogar absolut notwendig. Der Verlust meines geliebten Menschens hat mein Leben um vieles tiefer und bedeutungsvoller gemacht; ich erlebe jeden Tag intensiver und dankbarer als vorher. Ich erfreue mich an kleinsten Dingen wie einem Vogel, der vor meinem Fenster singt. Ich stehe den Menschen näher, die mir bis hierhin geholfen haben und an meiner Seite standen und habe mich vielleicht erstmals wirklich geöffnet. Aber es wäre eine Lüge zu behaupten, dass es leicht wäre. Mein Mann fehlt mir jeden Tag. Ob ich gerade sein Lieblingsgericht koche oder unser Kühlschrank zugemüllt ist (was er gehasst hat). Ob mich meine Tochter mit dem gleichen Mini Me Lächeln ansieht, wie er oder mir das I Phone die nie endend wollenden Erinnerungen an vergangene Jahre unaufgefordert zum Frühstück schickt. Jedes Mal stehe ich da und denke an ihn, mal fröhlich, mal wehmütig, anfangs auch wütend, zwischen durch verbittert.

Die Trauer kommt nach so langer Zeit nicht mehr so häufig wie am Anfang, aber ab und an ploppt sie auf, durch ein Musikstück, ein Foto, das Abitur meiner älteren Tochter, dem Verlust einer meiner engsten Freundinnen. Und dann fühlt sich der Schmerz ähnlich intensiv an wie zu Anfang. Ich bemitleide mich und meine Kinder (ja ich gebe es offen zu, auch wenn Selbstmitleid schrecklich ist), dass all das, was wir uns gemeinsam gewünscht haben, nie mehr passieren wird. Aber ich weiss jetzt, wie ich es 5 Jahre lang geschafft habe, es durchzustehen. Neben vielen anderen schönen und weniger schönen Momenten, die ich hier teilen will und werde, sind es auch Essays über Trauer, die ich in den ersten Monaten und Jahren nach B.s Tod geschrieben habe. Das Schreiben hat mir geholfen, meine Gefühle zuzulassen und Erinnerung für ihn und für uns zu schaffen. Der Nebel des Schocks in meinem Kopf war am Anfang so gross, dass ich mich schon kurz danach an kaum etwas erinnern konnte. Das wollte ich verhindern.


Abschliessend kann ich folgendes sagen: Die einzige Art aus dem Tunnel der Trauer herauszukommen, ist ihn zu betreten.


Und neben all der Schwere, die dies in sich trägt; Es gab auch immer und immer wieder wunderbare, lustige und skurrile Augenblicke. Weihnachten, 9 Tage nachdem mein Mann gestorben ist, war schwer. Es waren diese Tage, die man für die Kinder durchsteht, da gibt keine Wahl. Auch Silvester musste ich feiern, fand mich zwischen betrunkenen Menschen wieder, die lachten und tranken und weiterlebten. Doch schon kurz darauf im Frühling des Folgejahres fand auch ich mich mit einigen Jugendlichen auf der Terrasse unseres Gartens wieder und tanzte mit den Freunden meiner Tochter wild und ausgelassen zu Spider Murphy Gang. Anders als Erwachsene hinterfragen Jugendliche so etwas nicht. Was ein Segen für mich war. Schlecht fühlte ich mich sowieso danach. Wie konnte ich tanzen, obwohl ER doch nicht mehr da war? Aber nach und nach kamen diese Momente immer häufiger und sie fühlten sich gut an. Das Leben nahm seinen Platz ein. Und die Freude kehrte zurück.

Und die Trauer setze sich einfach daneben.

 
 
 

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